Zur Wartburg

Mit der Wiedervereinigung zweierlei Deutschlands wurde Geschichte geschrieben, eine Geschichte, welche auch jedes Individuum für sich neu schreiben musste. Orte wurden umgewidmet, verschwanden, erneuerten, kapitalisierten sich. Man ging Richtung Kaufhalle los und landete im Galeria Kaufhof. Und trotzdem bestehen mittendrin kleine Inseln einer Vergangenheit, die passé ist, Zeitkapseln geradezu.
Eine dieser Kapseln fand sich lange im Damenviertel. Die Wirtschaft »Zur Wartburg« bewahrte dort im Gastraum ein Stück DDR-Flair und damit Erinnerung bis ins Jahr 2019 hinein. 30 Jahre nach dem Mauerfall endete dieser Ort und wurde als bayrische Lokalität neu erfunden. Ein Stück Stadtgeschichte weicht – doch die Einrichtung des Ortes besteht weiter und wird im Theaterhaus Jena wieder aufgebaut. Im dem Innenraum der alten Wartburg-Kneipe nachempfundenen Bühnenbild wird das Ensemble des Theaterhauses Jena eine Erzählung über reale Historie und imaginierte Vergangenheit entwickeln, den Westen über die Kneipe einbrechen und den Osten dort bewahren lassen. Die Wartburg wird Spiegel für Stadtgeschichte, Gentrifizierung und die Veränderungen der Wendezeit. Können die zwei Deutschlands geeint überwunden werden? Die Schwierigkeit dieser Aufgabe lässt sich an der Anekdote nachvollziehen, dass für »die Ossis« die Kreuzworträtsel der Westzeitungen unlösbar und »die Wessis« zu blöd für diejenigen der Ostpresse waren. Wie also über Jahrzehnte hinweg ein Land versuchen zu einen, wenn man nicht mal das verdammte Kreuzworträtsel gelöst bekommt? Aber wenn es einen Ort gibt, an dem alle gleich werden können, dann an der Theke der Wartburg. Prost!

Besetzung

Von und mit: Walter Bart, Henrike Commichau, André Hinderlich, Mona Vojacek Koper, Leon Pfannenmüller, Dominik Puhl, Elisa Ueberschär         
Bühne + Licht: Maarten van Otterdijk
Musik: Oliver Jahn
Dramaturgie: Thorben Meißner
Mitarbeit Dramaturgie: Sean Hauser