Luana Velis im Gespräch mit Josef Bäcker (Teil der Künstlerischen Leitung) über Highlights der Spielzeit, Lieblingsorte in Jena und schönste Momente

Josef: "Also ich habe bis 12.50 Zeit."

Luana: "Loooocker. Wir brauchen nur 10 Minuten."

Josef: "Okay."

Luana: "Also, erste Frage, dein schönster Moment bei einer Vorstellung…?"

Josef: "…hmm…mein schönster Moment bei einer Vorstellung, war eigentlich nach einer Vorstellung. Es war bei einem Nachgespräch von Oase, und da war jemand, der eine Woche vorher in der Vorstellung war. Die Woche zuvor war dieser Er über diese Inszenierung ganz wütend und sagte, dass das nicht Theater sei, was er vom Theaterhaus kenne und fand das ganz schlimm und wenn er seelenloses Theater sehen wollen würde, dann würde er woanders hingehen. In der Woche danach ist Er nochmal wieder gekommen und fand es ganz toll.

Ich fand das ganz berührend, dass da jemand dem Theater und überhaupt dem Vorgang vom Theater gucken nochmal eine Chance gegeben hat. Weil, ich weiß das auch von mir selber, dass ich auch sehr oft enttäuscht aus Vorstellungen raus gehe und irgendwie nicht begeistert bin aber dem Theater immer wieder auch eine Chance gebe. Das finde ist eine ganz wichtige Sache. Weil, ich finde, es ist nicht damit getan, einmal im Jahr ins Theater zu gehen, sondern immer wieder. Und immer wieder kulturelle Orte aufzusuchen. Das finde ich schön."

Luana: "Also Theater als regelmäßige Praxis zu verstehen?"

Josef: "Ja, genau. Kultur. "

Luana: "Yes."

Josef: "Beantwortest du die Frage auch?"

Luana: "Ja! …der schönste Moment für mich, ist der Moment, wenn ich höre, dass die Türen zu gehen."

Josef: "Du meinst, wenn der Einlass die ˝Türen schließt?"

Luana: "Ja. Egal ob ich Teil des Publikums bin oder selbst spiele. Wenn ich kann, dann schaue ich mir sehr gerne das Publikum an, also wer genau an dem Abend den Weg zu dieser oder jener Vorstellung gefunden hat. Ich finde das spürt man (auch auf der Bühne), für wen man spielt, oder wo oder an welchem Wochentag. Mit wem gehe ich gleich auf die Reise? Und für mich hat es was ganz feierliches, wenn man dann diese Türen zugehen hört. Dann denke ich: Jetzt geht es los. Jetzt tauchen wir gemeinsam in die Geschichte oder in diesen oder jenen Raum, ohne uns zu kennen.

Dieses Türen schließen, eröffnet für mich diesen analogen Raum, den wir dann betreten. Und solche Räume werden in unserer heutigen Zeit so viel weniger, dass mich das tatsächlich immer wieder glücklich macht und ich sie als schützenswert empfinde."

Josef: "Das finde ich voll schön. So wie ein Einrasten von einem Sicherheitsgurt."

Luana: "Ja. Genau."

Luana: "Was waren deine Highlights des Theaterhaus Jena in der ersten Spielzeit?"

Josef: "Also Highlights…da fällt mir unsere erste Vollversammlung ein, weil wir alle gemeinsam an einem Ort waren. Und der Tag der offenen Tür und da war die Ausländer*innen-Disko dabei und wir haben noch bis 3 Uhr morgens getanzt und da gab es einen Moment, wo ich mit Céline (Teil der künstlerischen Leitung am Theaterhaus Jena) Leergut weggeräumt habe und das war schön.

Luana: "Für mich war es der Geburtstag von Thato (Teil des Schauspielensembles am Theaterhaus). Da hatten wir die Vorstellung von »Guten Morgen Zukunft«, und Mona hatte einen kleinen Kuchen vorbereitet, den wir ihr mit einer Kerze am Ende der Vorstellung gegeben haben. Da tragen wir eh immer Kuchen für das Publikum rein, das gehört zur Inszenierung und Thato war so gerührt, dass wir alle drei anfangen mussten zu weinen. Das überkam uns so und auch irgendwie lustig, weil man spielt sich zwei Stunden lang die Seele aus dem Leib und versucht, schlaue Gedanken zu veräußern und dann kann es manchmal so einfach sein. Oder menschlich."

Josef: "Stimmt. Da war ich auch dabei."

Luana: "Dein Lieblingsort in Jena?"

Josef: "Ich mag den Paradiespark und das Sportfeld sehr gerne. In der Mitte zwischen den herabfallenden Hochebenen. Dienstag abends und dann dort Fußball spielen. Das mag ich."

Luana: "Ah ja? Bist du im Verein? Schaffst du das?"

Josef: "Nee. Schön wär es!"

Luana: "Hahaha! Du wärest der erste, den ich aus dem Theater-Kontext kennen würde, der sowas in sein Leben integriert bekommt."

Josef: "Aber ein paar Mal war ich schon dort. Man hat eine Aussicht, und ja irgendwie paradiesisch. Und du?"

Luana: „ Ich habe das DeliVosh für mich entdeckt, gegenüber von Planetarium. Das führen zwei Ladies und die geben sich ganz viel Mühe. Die sind ganz kompetent und man fühlt sich da sehr willkommen. Die haben so Sachen wie Eggs Benedict und Sauce Hollandaise. Yammi! Und das findet man mich beim Frühstücken."

Luana: „ Josef, das war es schon.“

Josef:“ Ach super, und das verschickst du jetzt?“

Luana:“ Ja, ich muss es noch transkribieren und dann schicke ich es erst dir und dann schicke ich es an Ioana.“

Josef: „Oh je. Okay. Danke. Und hast du sonst noch was auf dem Herzen, oder wie geht es dir gerade sonst so…?“

Luana: „ Moment, ich schalte noch das Mikro aus.“