Tanz der Geschichte

Der Mensch geht zum Therapeuten, denn er steckt in einer Lebenskrise. Erinnerungsfetzen aus den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden holen ihn ein. Zeiten, die er nicht bewusst erlebt hat, und doch begegnet er in allen Erinnerungen sich selbst: »Es ist der totale Kontrollverlust... Immer, wenn ich einen Stein umdrehe, sehe ich in mein eigenes Gesicht. Es ist wie ein Wahn und ein wahnsinniger Schmerz. Wie konnte es soweit kommen, wie bin ich zum Verhängnis geworden, für meine Umgebung, den Planeten, alles?« In dieser BBTT, body based theatrical therapy, lernt Mensch verschiedene Möglichkeiten kennen, zurück in die Geschichte zu gehen mit dem Ziel, längst vergangene Erfahrungen zu durchlaufen, Erinnerungen zu ändern und die Perspektive zu verschieben.

Welche Bedeutung können wir unseren Reminiszenzen zuschreiben und woher kommt unser Gedächtnis? Welche längst vergangenen Haltungen und Handlungsweisen lagern in uns ein – how could it come to this? In der Stückentwicklung »Tanz der Geschichte« (AT) in der Regie von Zarah Bracht in Zusammenarbeit mit dem Ensemble reisen wir durch die Zeit und entdecken dabei erstaunliche Wendungen, ganze Charaktere, die am Rande der Geschichte immer schon gelebt haben, sich aber bisher kaum zu Wort meldeten. Wenn wir an manchen Weichenstellungen in der Geschichte andere Menschen in die Erinnerung aufnehmen – können wir dann einen anderen Umgang mit der Welt finden?

Zarah Bracht (1990, Hamburg), ist freischaffende Regisseurin von Stückentwicklungen in den Niederlanden. Inspiriert von niederländischer Mime und flämischem Tanztheater entwickelte sie dort ihre Regiehandschrift, die auf Bild und Bewegung basiert. In ihren Arbeiten erforscht sie Gefühle und Triebe, die unter der Oberfläche gesellschaftlicher Debatten lauern, und setzt sie in magisch-realistische Bilder und absurd-komische Situationen um.

 

Premiere: 22. April 2023

Besetzung

Von und mit: Pina Bergemann, Linde Dercon, Henrike Commichau, Anna K. Seidel, Paul Wellenhof
Regie: Zarah Bracht
Bühne: Liesje Knobel
Dramaturgie: Hannah Baumann