Performance-Labor

Das Theaterhaus Jena hat es sich mit dem Ensemble-Rat zur Aufgabe gesetzt, den Schauspieler*innen die Möglichkeit zu geben, eigene Projekte zu erarbeiten und in kleineren Formaten neue künstlerische Ausdrucksweisen zu erproben.

Im Performance-Labor präsentieren Linde Dercon und Anna K. Seidel selbstgeschriebene Texte und erarbeitete Performances.

BESCHEIDENHEIT oder WIE MEIN FREUND IM FERNSEHER VERSCHWAND
Szenische Lesung :: Von und mit Linde Dercon

Stell dir vor: Der Mensch, in den du dich vor Kurzem hoffnungslos verliebt hast, teilt dir mit, dass er an einer Realityshow à la Big Brother teilnehmen wird, mit 16 durchschnittlichen Niederländer*innen, vollständig abgeschottet von der Außenwelt. Du flehst ihn an, nicht zu gehen, aber dann enthüllt er, dass alles Teil eines Kunstprojekts ist und es natürlich nicht echt sein wird. Gegen 'Kunst' kann man ja nichts einwenden, und damit verschwindet er im Fernsehen.
Nervös versucht sie über ihre wackelige VPN-Verbindung die letzten Folgen der Show zu streamen und ihr Herz stockt bei jedem Moment im Whirlpool.
Inspiriert von der Absurdität dieser Realität entschließt Linde Dercon sich dazu, ihr eigenes Kunstprojekt zu starten. Eine Racheakt über das absurde Kunstprojekt ihres Freundes.
Ganz gleich, ob es um Liebe, Kunst oder Reality-TV geht:
Jedes von ihnen prägt auf eigene Weise unsere Sicht auf Bescheidenheit.
Linde Dercon wird, in kreativer Kollaboration mit Thomas Spijkerman, eine bizzarre und szenische Lesung inszenieren.

Coaching und Endregie: Thomas Spijkerman
Von und mit: Linde Dercon
Vielen Dank an Olivier Arts, Mona Vojacek Koper und Henrike Commichau.

DER RICCI-FLUSS
Von und mit Anna K. Seidel

UR: Also das ist eine Zeitschrift. Du liest eine Zeitschrift, dahinten sind die Pyramiden. Jetzt blätterst du um und das ist die Pause. Früher konnte man sich auf den Pyramiden spiegeln. Können Sie das Wasser drinnen lassen? Dann würde ich danach einfach baden. Ich sehe was, was du nicht siehst. Fünf Pyramiden, ich dachte, es wären drei. Ich will auch in die Badewanne, ich lege mich in die Badewanne, wenn du aus der Badewanne gegangen bist, dann lege ich mich so in die Badewanne, wie du gerade in der Badewanne liegst. Du liest in der Badewanne, eine Zeitschrift, das Fenster ist offen. Hinter dir fünf Pyramiden, drei große und zwei kleine. Da ist eine Fliege, sie setzt sich auf deine Zeitschrift und jetzt fliegt sie wieder, jetzt ist sie in deine Badewanne geflogen, jetzt ist die Fliege in der Badewanne. Noch zwei Minuten. Brauchen Sie Ruhe? Dann bin ich still und dann müssen wir los.

In »Der Ricci-Fluss« begeben sich Sun Del und UR auf eine turbulente Reise, den Strom entlang ins Death Valley der verborgenen Hoffnungen. Basierend auf einer wahren Begebenheit, zugetragen im Jahr 1868 – im Jahr der ersten geglückten transatlantischen Tiefseekabelverbindung. Sie starten in Marseille und passieren höchstwahrscheinlich das Kidney Center in Kairo. Bonum cursum!

Konzept, Regie: Anna K. Seidel
Mit: UR, Sun Del und Auftritten von Andreas Koschella & tba
Robotik: Alexander Buers
Kostüm (Maske): Marie-Luise Seidel
Künstlerische Beratung: Felix Günther
Outside Eye: Jakob Altmayer
Vielen Dank an Volkssternwarte Urania e.V., Hof Matthesens und Universal Robots

Beide Produktionen werden aus Mitteln des THEATERPREIS DES BUNDES realisiert.