Stellungnahme zum Haushaltssicherungskonzept

Wir, das Theaterhaus Jena, möchten unseren Rückzug aus dem Bündnis »HSK - so nicht« hiermit bekannt geben und erklären.
Der Haushaltsnotstand, den die Stadtverwaltung ausgerufen hat, und das damit einhergehende Haushaltsicherungskonzept (HSK), das jedoch noch nicht endgültig vom Stadtrat verabschiedet wurde, bedeuten ein Dilemma für Jena. Die Kosten der Corona-Pandemie für die Stadt sollen nun durch Kürzungen innerhalb der freiwilligen Leistungen der Stadt aufgefangen werden. Dabei zeigt sich schnell, welche Leistungen im Etat der Stadt »freiwillig« sind: Es sind all diejenigen, die eine Stadt wie Jena lebenswert und lebendig machen, Kultur, soziale Infrastruktur - all jene eben, die das solidarische Zusammenleben in unserer Stadt maßgeblich prägen.

Im Rahmen des HSK sind Kürzungen beim Großteil der kulturellen und sozialen Akteure vorgesehen, weshalb wir als Theaterhaus Jena uns solidarisch an die Seite unserer Partner*innen in Jena stellen. Für uns als Gesellschaft braucht es gerade jetzt psychosoziale Einrichtungen, die die Folgen der monatelangen Isolation bekämpfen, kulturelle Institutionen, die Zusammenkunft und Austausch ermöglichen - kurzum, eine lebendige Stadtgesellschaft entsteht nicht allein durch eine gut instand gehaltene Verkehrsinfrastruktur und Wirtschaftsförderung. Das Theaterhaus Jena lässt deshalb nicht locker, die Stadtgesellschaft daran immer wieder zu erinnern, hat aber auch Vertrauen in den von uns Bewohner*innen dieser Stadt gewählten Stadtrat, der mit wenigen Ausnahmen sich der Tragweite der momentanen Situation und der damit einhergehenden Gefahren bewusst ist.

Denn Gefahren lauern. Das Ausspielen von Kultur gegen Soziales ist ein populistischer Trick, so alt wie die Politik selbst. Dort, wo Fronten entstehen, kann eine Gesellschaft als Ganzes nicht mehr wachsen. Wir verwehren uns deshalb der Schaffung von gesellschaftlichen Fronten, wie sie am Samstag bei der »HSK - so nicht«-Demo im Landgrafenviertel unter anderem durch eine Postwurfsendung erfolgte. Die Folgen der Pandemie, einer Naturkatastrophe ohne menschliche Verursacher, müssen wir gemeinsam und solidarisch miteinander tragen - also weder nur der kulturell-soziale Bereich, noch nur »die Reichen«, die am Wochenende angesprochen werden sollten.

Wir distanzieren uns deshalb von dem Bündnis, welches diese Demonstration veranstaltet hat. Das Theaterhaus Jena unterstützt die Kritik am HSK weiterhin und steht solidarisch zusammen mit den Unterstützer*innen des Bündnis', jedoch entgegen den Vorgehensweisen des Bündnisses und dessen Diskurs-Vorstellungen. Das Theaterhaus Jena ist für eine solidarische Stadtgemeinschaft, für Kultur und für Soziales.

Heike Faude & Walter Bart,
stellvertretend für das Theaterhaus Jena

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