Thüringen finden

Aus den Proben des »Thüringen Megamix«

Wer ist Thüringen? Was ist Thüringen? Wo ist Thüringen? Mit diesen Fragen gingen die Schauspielerinnen und Schauspieler an die neue Produktion mit dem Namen »Thüringen Megamix«heran. Ohne eine Textvorlage und nur mit einem vagen Konzept im Kopf machte sich das Ensemble an die Erstellung eines Stückes über Thüringen. Mit der Idee, dass sie Mitarbeiter einer Werbeagentur sind, die für das grüne Herz Deutschlands werben und begeistern soll, fingen sie an Szenen zu entwickeln. Der Text entstand einzig aus den Ideen der Schauspielerinnen und Schauspieler, wodurch sich eine ganz andere Probenstruktur ergab, schließlich sind sie nicht nur die Schauspielenden, sondern auch die Entwickler*innen und die Regisseur*innen des Stückes. Zu Beginn drehte sich noch alles um die Idee eine Werbeagentur, die eine Kampagne über Thüringen produzieren sollte. Gerade in dieser frühen Phase der Produktion war die Arbeit sehr frei, in der Suche konnten verschiedene Pfade ausprobiert werden. Gemeinsam entwickelte das Ensemble Szenen zu bestimmten Impulsen und führten diese vor. Danach wurde in einer großen Runde besprochen, ob die Szenen weiter ausgearbeitet werden sollten. Jede*r konnte hier seine Ideen einbringen und so der Produktion eine neue Richtung geben. Ganz besonders deutlich wird dies daran, dass eine kleine Impro die Idee des Stückes komplett veränderte – aus Werbeagenturmitarbeitern wurden Schiller und Goethe, Faust und Herminafried. Statt über Thüringenwerbung zu reden, lamentiert nun eine tragikomische Gruppe in einem dunklen Raum über ihre Probleme. Zusammen entwickelten die Schauspieler und Schauspielerinnen aufbauend auf dieser Idee ihre Charaktere und boten verschiedene Facetten in Improvisation und selbstgeschriebenen Szenen an. In der Gruppe wurden diese dann besprochen und miteinander weiterentwickelt. Aber es wurde nicht nur Material auf einer dunklen Probebühne gesammelt, auch echte Thüringer wurden zur Informationsquelle. Schließlich heißt das Stück »Thüringen Megamix«,und so mischten sich die Schauspieler in Gruppen unter die Leute und fragten sie nach ihrer Meinung. Und um ein richtiges Gefühl für die Weimarer Klassik zu bekommen, wurde Schillers Gartenhaus besucht und Quellen studiert.

Megamix ist somit nicht nur der Titel eines neuen Stückes, sondern auch eines Arbeitsprinzips – von Entstehung, Materialsuche, Probenstruktur bis hin zum Charakter der Produktion. Schließlich können sich nur im Megamix Schiller und Faust, Herminafried und Goethe, Elke und ein Thüringer Kloß die Hand reichen. Aus einem bunten Allerlei entsteht nun mal der beste Mix.


Julia Feiertag war beim »Thüringen Megamix« Praktikantin der Dramaturgie.

Die Fachzeitschrift »Theater der Zeit« über das Theaterhaus Jena

Die Fachzeitschrift »Theater der Zeit« hat in ihrer Dezember-Ausgabe einen ausführlichen Artikel über das Theaterhaus Jena und seinen Neustart veröffentlicht.

Hier finden Sie den Artikel: Theater der Zeit; 12/2018

Theaterhaus Jena im Theatermagazin »Rang 1« / Deutschlandfunk Kultur

Am Samstag, dem 8. Dezember 2018 hatte das Theatermagazin »Rang 1« im Deutschlandfunk Kultur das Theaterhaus Jena und seinen Neustart mit dem niederländischen Theaterkollektiv Wunderbaum zum Thema. Den gesamten Beitrag hören Sie hier: Rang 1 // DLF Kultur // 08.12.2018

»de Volkskrant« über das Theaterhaus Jena

Das neue Theaterhausensemble + Wunderbaum (c) Felix Adler

In der niederländischen Zeitung »de Volkskrant« ist am 21.11.2018 ein großer Artikel über das Spielzeiteröffnungswochenende mit WUNDERBAUM erschienen – u.a. mit diesem schönen Foto mit den Wunderbaum-Kollektivist*innen und den Mitgliedern des neues Theaterhaus-Ensembles. Foto: Felix Adler
Lesen Sie mehr: https://www.volkskrant.nl/cultuur-media/wat-acteurscollectief-wunderbaum-in-het-strenge-oost-duitse-theaterhaus-jena-te-zoeken-heeft~b159b4c0/

Ein Manifest

aus: »Hallo Jena«*

Wenn jemand zu uns sagt, dass arbeiten im Kollektiv zu Kompromissen führt, dann versuchen wir, ihm mit guten Argumenten zu widersprechen.
Wir glauben daran, dass sich die beste Idee von selbst durchsetzt.
Wir können nicht mit Sicherheit sagen, was der Zweck eines Theaterstücks ist, aber wir vermuten, dass es etwas mit Weltverbesserung auf sich hat.
Wenn uns unsere Arbeit dazu inspiriert, die eigenen Denkbilder in Frage zu stellen und wir die Zweifel überzeugend einem Publikum vermitteln können, dann sprechen wir von einem erfolgreichen Stück.
In ein Theaterstück gehört grundsätzlich Musik rein, es muss rocken.
Die Stühle in einem Theater sollten bequem sein, aber nicht so bequem, dass das Publikum aufhört zu denken.
Wenn während einer Vorstellung mehr als zwei Personen gleichzeitig schlafen, wird das Stück aus dem Spielplan gestrichen.
Konflikte sind manchmal unvermeidlich, aber Ruhe bewahren, nach Hause gehen und eine Nacht darüber schlafen löst so manches Problem.
Geschmack ist veränderlich.
Wenn sich nach einiger Zeit der Zusammenarbeit herausstellt, dass sich eine feste Rollenverteilung eingeschlichen hat, versuchen wir, sie zu durchbrechen.
Ein Theaterstück muss klar definierbare Berührungspunkte mit der Welt außerhalb des Theaters haben.
Umgangssprache ist Poesie und wird als Textmaterial benutzt.
Alle die am Probenprozess teilnehmen, versuchen so viel Material wie möglich für das Stück zu kreieren.
Niemand soll etwas spielen, was er oder sie nicht möchte.
In unseren Stücken spielen oft Menschen von außerhalb des Theaters mit.
Verschiedene Sprachen in einem Theaterstück passen unserer Meinung nach perfekt in die heutige Zeit.
Wir glauben an und hoffen auf die europäische Idee, aber setzen doch einige Fragezeichen dahinter.
Am Theaterhaus Jena dürfen alle inhaltliche Vorschläge für zukünftige Stücke einbringen.
Nach der Premiere muss an einem Stück gefeilt werden, wenn es noch nicht so fertig ist, wie es sein könnte und sollte.
Wir sind immer davor auf der Hut, zu marktorientiert zu denken, obwohl ein wachsendes Publikum eigentlich doch ganz nett ist.

*Dieses Manifest über die Arbeit am Theaterhaus Jena wurde in der Vorstellung »Hallo Jena« am 26.10.2018 präsentiert. Inwiefern es sich in den Arbeitsstrukturen realisiert, wird sich zeigen.