»Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Teilhabe an Kunst und Kultur, auch und gerade in Krisenzeiten« - ASSITEJ-Manifest

ASSITEJ, die Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, ist der Ansicht, dass noch viel mehr getan werden muss, um den Verpflichtungen aller Länder in Bezug auf die Artikel 13 und 31 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes nachzukommen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie. Gerade jetzt wird sichtbar, wie dringlich es ist, für jedes Kind die gleichen Chancen und Teilhabemöglichkeiten zu schaffen und wie notwendig es ist, die Welt für alle Kinder gesund und nachhaltig zu gestalten. Kunst und Kultur spielen für unser Zusammenleben eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen es uns, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen unsere Phantasie zu nutzen, um eine Welt zu schaffen, in der wir gemeinsam besser leben. Die Künste sind aktuell besonders verletzlich, da sie wirtschaftlich stark von der Krise betroffen sind. Die Künste sind nicht nur zentrale Ausdrucksform des menschlichen Seins, sondern auch Ort der kritischen Reflexion und Grundlage für ein gesundes soziales Miteinander. Kinder und Jugendliche haben das Recht, auch und gerade in Krisenzeiten, Zugang zu Kunst und Kultur zu erhalten und daran teilzuhaben.Obwohl wir wissen, dass jedes Land und jede Region ihre spezifischen Kontexte, Systeme und Sorgen hat, verstehen wir dieses Manifest als universellen Appell, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche durch die Auseinandersetzung mit den Künsten wachsen können. ASSITEJ empfiehlt, Kinder und Jugendliche aktiv zu beteiligen. Sie sollten als Berater*innen und Partner*innen einbezogen und ihre Meinungen und Ansichten auf allen Ebenen berücksichtigt werden (vgl. Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention).

Lesen Sie das gesamte Manifest, es lohnt sich!

Stellungnahme zum Haushaltssicherungskonzept

Wir, das Theaterhaus Jena, möchten unseren Rückzug aus dem Bündnis »HSK - so nicht« hiermit bekannt geben und erklären.
Der Haushaltsnotstand, den die Stadtverwaltung ausgerufen hat, und das damit einhergehende Haushaltsicherungskonzept (HSK), das jedoch noch nicht endgültig vom Stadtrat verabschiedet wurde, bedeuten ein Dilemma für Jena. Die Kosten der Corona-Pandemie für die Stadt sollen nun durch Kürzungen innerhalb der freiwilligen Leistungen der Stadt aufgefangen werden. Dabei zeigt sich schnell, welche Leistungen im Etat der Stadt »freiwillig« sind: Es sind all diejenigen, die eine Stadt wie Jena lebenswert und lebendig machen, Kultur, soziale Infrastruktur - all jene eben, die das solidarische Zusammenleben in unserer Stadt maßgeblich prägen.

Im Rahmen des HSK sind Kürzungen beim Großteil der kulturellen und sozialen Akteure vorgesehen, weshalb wir als Theaterhaus Jena uns solidarisch an die Seite unserer Partner*innen in Jena stellen. Für uns als Gesellschaft braucht es gerade jetzt psychosoziale Einrichtungen, die die Folgen der monatelangen Isolation bekämpfen, kulturelle Institutionen, die Zusammenkunft und Austausch ermöglichen - kurzum, eine lebendige Stadtgesellschaft entsteht nicht allein durch eine gut instand gehaltene Verkehrsinfrastruktur und Wirtschaftsförderung. Das Theaterhaus Jena lässt deshalb nicht locker, die Stadtgesellschaft daran immer wieder zu erinnern, hat aber auch Vertrauen in den von uns Bewohner*innen dieser Stadt gewählten Stadtrat, der mit wenigen Ausnahmen sich der Tragweite der momentanen Situation und der damit einhergehenden Gefahren bewusst ist.

Denn Gefahren lauern. Das Ausspielen von Kultur gegen Soziales ist ein populistischer Trick, so alt wie die Politik selbst. Dort, wo Fronten entstehen, kann eine Gesellschaft als Ganzes nicht mehr wachsen. Wir verwehren uns deshalb der Schaffung von gesellschaftlichen Fronten, wie sie am Samstag bei der »HSK - so nicht«-Demo im Landgrafenviertel unter anderem durch eine Postwurfsendung erfolgte. Die Folgen der Pandemie, einer Naturkatastrophe ohne menschliche Verursacher, müssen wir gemeinsam und solidarisch miteinander tragen - also weder nur der kulturell-soziale Bereich, noch nur »die Reichen«, die am Wochenende angesprochen werden sollten.

Wir distanzieren uns deshalb von dem Bündnis, welches diese Demonstration veranstaltet hat. Das Theaterhaus Jena unterstützt die Kritik am HSK weiterhin und steht solidarisch zusammen mit den Unterstützer*innen des Bündnis', jedoch entgegen den Vorgehensweisen des Bündnisses und dessen Diskurs-Vorstellungen. Das Theaterhaus Jena ist für eine solidarische Stadtgemeinschaft, für Kultur und für Soziales.

Heike Faude & Walter Bart,
stellvertretend für das Theaterhaus Jena