Das Theaterhaus Jena ist ebenso wie viele andere Institutionen seit geraumer Zeit zur Eindämmung einer Pandemie geschlossen. Wir erinnern uns an die letzten Vorstellungen, die wir vor dem Lockdown für Euch gespielt haben, etwa »Zur Wartburg« über die Kneipe im Damenviertel. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung reiste damals extra an und befand: »"Wunderbaum" gelingt es (...), die Geschichten der Kneipengänger so zu erzählen, dass dabei das Portrait einer Stadt im Wandel entsteht.« Auf dem Hoch einer Vielzahl positiver bis euphorischer Kritiken aus nah und fern hofften wir im Spätsommer, Euch eine Vielzahl von spannenden Themen und Stücken zeigen zu können. Die in der Zwischenzeit geprobten Stücke werden wir nach Ende des Lockdowns zur Premiere bringen. Wir werden mit den verschiedensten Akteur*innen aus der Stadt bestehende Allianzen fortführen oder neue schmieden. Große Projekte zeichnen sich ab, Koproduktionen mit unseren niederländischen Partnern genauso wie deutschlandweit vernetzte Projekte. Wir freuen uns, dass unser Programm aus gesamtgesellschaftlich relevanten Themen, gepaart mit exemplarisch Jenensischen Themen, bisher so gut angekommen ist, dass wir im Sommer im Fachmagazin »Theater heute« für die Auszeichnung der »Gesamtleistung eines Theater in der Saison 19/20« nominiert wurden. Die Ehrung durch diese Nominierung ist für uns strahlender Lichtblick während dieses Corona-Sommers gewesen, der perfekte Anschluss an das kleine Theaterspektakel, welches wir mit der Filmserie »Urlaub in Deutschland«, Live-Auftritten unseres Ensembles und musikalischen Gästen aus der Stadt möglich machen konnten.


Momentan reflektieren wir diese verrückte Zeit vor allem digital und freuen uns auf die Wiederkehr auf unsere Bühne, auf der wir politische Fragen mit Gesellschaft und Unterhaltung vermengen können zu immer wieder spannenden Theaterabenden, um live miteinander auf unsere Gegenwart zu reflektieren.
Gleichzeitig haben wir aber auch das Gefühl, dass es doch eigentlich jetzt erst richtig losgehen sollte. Deshalb versprechen wir Euch: Wir fangen gerade erst an. Denn wenn die Gesellschaft den momentanen Sturm gemeistert haben wird, dann wird auch die Kultur ihrer Rolle als kritischer Reflektionsstätte wieder nachkommen müssen. Denn eine Gesellschaft, die sich einer (künstlerischen) Selbstbefragung nicht stellt, verarmt, erstarrt oder verfällt gar ins ewig gestrige. Nicht umsonst behalten wir die eigentlich als Sommertheater 2020 geplante Produktion »Šladek« über das Erstarken des Rechtsnationalismus vor hundert Jahren wie auch heute weiter im geplanten Programm, allerdings als Hauptbühnenproduktion im Herbst 2021.
Außerdem freuen wir uns, dass Antje Schupp den Lenz-Preis der Stadt Jena verliehen bekommt, und gratulieren ihr herzlichst. Ihr Projekt »Die mutige Mehrheit« wird ebenfalls im Herbst 2021 Premiere haben, Details dazu folgen später.
Aber jetzt werden wir hoffentlich bald auch wieder live für Euch spielen. Wir freuen uns drauf! Und bis dahin: Haltet gut durch, bleibt solidarisch, lasst Euch nicht entmutigen.