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von Paula Fünfeck | Uraufführung

Fotos: Peter Michaelis

BIBA:
Guten Morgen, allerseits! Guten Morgen, Kohlmeisen! Guten Morgen
Müllcontainer! Guten Morgen, Fahrradständer!
Ich bin ausgeschlafen wie in den Ferien!
Obwohl keine Ferien sind! Juchu.   
Nanu. Ich bin sogar früher auf als Malou!    
Der wird sich aber wundern.   
Er wird Telleraugen machen.
Das ist noch nie vorgekommen.   
Dass ich ausgeschlafen bin wie in den Ferien.
Obwohl keine Ferien sind.


Biba ist neun und hat ein Problem. Das Problem ist dreiundvierzig, heißt Malou und ist Bibas Vater. Der kriegt sein Leben nicht so richtig auf die Reihe. Wenn er einen seiner trüben Tage hat, schafft er es nicht, sich alleine anzuziehen. Geschweige denn, zur Arbeit zu gehen. Dann muss Biba mit verstellter Stimme bei seinem Chef anrufen und sich Geschichten ausdenken. Und aufpassen, dass Malou nicht wieder Tapetenkleister statt Kartoffelpüree kocht. Aber wenn Malou seine guten Tage hat, dann sprüht er nur so vor Einfallsreichtum. Er ist nämlich heimlich Erfinder. Er erfindet dann drauflos, dass es nur so kracht. Leider verschwinden all die genialen Ideen an seinen trüben Tagen wieder in der Schublade. Auch wenn das Leben mit Malou manchmal stressig ist, glaubt Biba fest an sein Genie. Und daran, dass irgend jemand irgendwann mal Malous Ideen aus der Schublade befreit...
Ein clowneskes Stück über kindische Väter und starke Söhne.

Paula Fünfeck ist Übersetzerin und Autorin von Hörspielen und Theaterstücken für Kinder und Jugendliche. Für »Pinienkerne wachsen nicht in Tüten« erhielt sie 2006 den Innovationspreis des Heidelberger Stückemarktes und den Münchner Jugend-Dramatikerpreis. Nach der erfolgreichen Uraufführung ihres Stücks »Die gestiefelte Katerina « am Theaterhaus Jena schreibt sie nun maßgeschneidert für unser Haus ein neues Stück für Menschen ab 6 Jahren.
Markus Steinwender bringt nach »Saffran & Krump« und die »Gestiefelte Katerina« mit »Mein lieber verrückter Vater« am Theaterhaus Jena inzwischen das dritte Kinderstück zur Aufführung. Er ist Schauspieler und Regisseur und leitet in Salzburg das freie Theaterhaus »kleines theater«.

Mit: Mohamed Achour und Anne Haug Regie: Markus Steinwender Bühne / Kostüme: Anne Buffetrille Musik: Stefan Paul Goetsch Dramaturgie: Rebekka Kricheldorf

Uraufführung: 26.11.2009

Presse
Thüringische Landeszeotung, 27.11.2009   
Der mutige Herr Müller

Ein lautes Kinderlachen schallt durch das Theaterhaus, Zurufe aus dem Publikum halten das gesamte Stück lang an.
Die beiden Hauptdarsteller Mohamed Achour und Anne Haug haben ihre fünf- bis sechsjährigen Zuschauer im Griff. Besonders wenn sie sich im Kampf gegen das böse Monster, das Malous Trübsinn verkörpern soll, eine Kampfbemalung mit Nutella ins Gesicht zeichnen oder wenn Malou, weil er gerade einmal seine Brille nicht finden kann, Tapetenleim statt Kartoffelpüree kocht. Die beiden Schauspieler, die erst seit einigen Monaten am Theaterhaus in Jena spielen, wirbeln durch das verspielte und bunte Bühnenbild. Und dass, obwohl das Stück ein ernstes Thema aufgreift. Was tun, wenn der eigene Vater immerzu traurig und antriebslos ist? Und wie geht das Kind damit um, bereits in so jungen Jahren so viel Verantwortung übernehmen zu müssen?
»Mein lieber verrückter Vater« nimmt diese Aufgabe dennoch spielerisch. Denn Vater und Sohn stellen sich dem Problem, in dem sie immer wieder neue Spiele erfinden und die Trauer zum Feind erklären. Es ist ein Kampf zwischen David und Goliath. Bibas Stofftier Herr Müller wandelt sich zum Helden mit Schutzhelm und bringt das Monster, das die beiden aus einem Kopfkissen, einem Schlafsack und einer Lampe zusammengebaut haben, zu Boden. So stellt das Stück aus der Feder von Paula Fünfeck keinesfalls Traurigkeit in den Mittelpunkt, sondern zeigt auf witzige und frische Art, dass Zusammenhalt in der Familie das Wichtigste ist.
Auch wenn manche Szene für die Fünfjährigen vielleicht noch nicht zu verstehen war, haben sie mit ihren Bühnenhelden mitgefiebert. "Malou, steh auf" oder "Du musst in den Po picksen" waren nur einige der Kommentare. Ein Stück, dass Spaß macht und auch das Kind im Manne erwachen lässt.
[Frauke Wagner]


 
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