Märchenstück von Paula Fünfeck frei nach dem Grimm-Märchen »Der gestiefelte Kater« | Uraufführung
Ein Märchenstück frei nach dem Grimm-Märchen "Der gestiefelte Kater" (ab 5 Jahren). Die Katze Katerina liebt einen faulen verlausten Müllersohn, der nach Mühle und Mäusen riecht. Früher hätte sie so einen stinkenden Nichtsnutz nicht einmal angesehen. Doch früher war sie ein Mensch, eine Prinzessin. Aber der Zauberer Karsten Kannzuviel hat sie um ihr Schloss betrogen und sie in ein pelziges, jagendes Katzentier verwandelt. Mit ihrem klugen Verstand erkämpft sie ihr Schloss zurück, frisst mit dem berühmten Mäusetrick den Zauberer und könnte wieder ein Mensch werden. Aber klappt es dann noch mit der Liebe? Paula Fünfeck ist Übersetzerin und Autorin von Hörspielen und Theaterstücken für Kinder und Jugendliche. Für Pinienkerne wachsen nicht in Tüten erhielt sie 2006 den Innovationspreis des Heidelberger Stückemarktes und den Münchner Jugend-Dramatikerpreis. Mit: Kai Meyer, Renate Regel Regie: Markus Steinwender, Bühne und Kostüme: Anne Buffetrille, Dramaturgie: Christin Bahnert Premiere: 27.11.2008, 10:00 Uhr, Hauptbühne
Mit: Renate Regel und Kai Meyer Regie: Markus Steinwender Bühne und Kostüme: Anne Buffetrille Dramaturgie: Christin Bahnert
Premiere: 27. November 2008
Kritiken:
Thüringische Landeszeitung, 28.11.2008:
Im Jenaer Theaterhaus drängen sich Fünf- und Sechsjährige, einige sitzen zum ersten Mal im Leben vor einer richtigen Bühne. Sie sind aufgeregt, stoßen sich gegenseitig an und machen große Augen: Das da soll der gestiefelte Kater sein? "Ich bin Katerina", erklärt Renate Regel auf der Bühne und holt eine Katze aus dem Schrank. Die ist aus Legosteinen zusammengesetzt, wird auf einem Transportband hin und her gekurbelt und bekommt noch ein Paar rote Stiefel. Auch die Schauspielerin ist gestiefelt, und als sie die Kapuze ihres grauen Sweatshirts überstreift, stehen zwei Lego-Katzenohren ab. Der faule Müllersbursche (Kai Meyer) fängt das Tier mit Hilfe einer Lego-Maus. "Verfluchter Mäusefangzwang", faucht Katerina.
Die Adventszeit weckt Vorfreude aufs Weihnachtsfest, und an allen Thüringer Theatern hat Märchenhaftes Hochkonjunktur. Von Gera ("Ali Baba und die vierzig Räuber") bis Eisenach ("Pippi Langstrumpf") und von Rudolstadt ("Der Froschkönig") bis Erfurt ("Aschenputtel") erliegen die kleinen und größeren Zuschauer reihenweise dem Zauber der Poesie. Und doch ragen aus dem breiten und farbenprächtigen Angebot zwei Inszenierungen heraus: Die Uraufführung der "Gestiefelten Katerina" von Paula Fünfeck in Jena sowie "Die Frau vom Fischer und der Fischer selber" von Katrin Lange auf der kleinen Bühne des DNT Weimar.
Es sind originelle Bearbeitungen bekannter Grimmscher Märchen, bei denen die Motive lustvoll gegen den Strich gebürstet werden. Und wenn, wie an diesen beiden Häusern, zudem die Fantasie der Zuschauer geweckt wird, kann, nein, muss man den Besuch selbst Erwachsenen empfehlen. Am besten gleich mit der ganzen Familie rein! ...
Das Zauberwort heißt Verwandlung. Sowohl im Fischerdrama als auch bei der "Gestiefelten Katerina" erleben die Zuschauer hautnah den Unterschied zwischen Fernsehen und Theater. Hier ist alles live und handgemacht, und die Darsteller zeigen augenzwinkernd, wie eins aus dem andern hervorgeht: die Lego-Katze aus dem Katzenmenschen und aus Katerina die zurückverwandelte Prinzessin. "Die kann ja gar nicht zaubern", ruft verblüfft ein kleines Mädchen aus der zweiten Reihe, "die zieht sich ja nur aus!" ...
In Jena lässt sich die gestiefelte Katerina zum Showdown im Kindergartenpublikum nieder und überlistet von dort aus den Zauberer, der sich erwartungsgemäß in eine Schlange und in einen Elefanten verwandelt. "Aber dich in eine Maus verwandeln, das kannst du bestimmt nicht." Hoho! Und ob. Schon huscht sie, die Lego-Zaubermaus, aus dem Schlosseingang. Verfluchter Mäusefangzwang - jetzt wird er zum Segen. Die zweibeinige Kätzin schleicht auf die Bühne zurück und - haps! "Wisst ihr, wie´s dann weitergeht?" fragt Katerina kauend. "Dann heiratet ihr", schallt es aus der Kinderschar.
Zur Premierenfeier gibt´s Sekt und bunte Tortenstückchen in Bausteinform. Dabei auch die Autorin mit ihren beiden Kindern, drei und sieben Jahre. Wie sie auf die Idee gekommen sei, den gestiefelten Kater in eine Katze zu verwandeln? "Ich habe bei den Grimms kein glaubhaftes Motiv gefunden, das den Kater veranlasst, sich für den trägen Müllerssohn derart ins Zeug zu legen", sagt Paula Fünfeck. Bei mir gibt es eins, ein ganz starkes: Liebe."
[Frank Quilitzsch]
Ostthüringer ZeitungDonnerstag, 27.11.2008:
Vorlaute Katze mit Lego-Schloss
Autorin Paula Fünfeck verwandelt den vierbeinigen Helden aus Grimms "Der gestiefelte Kater" in das weibliche Pendant. Gestern hatte ihr Stück "Gestiefelte Katerina" in der Regie von Markus Steinweder (2007 mit "Saffran & Krump" erfolgreich) für Menschen ab fünf seine Premiere im Theaterhaus Jena.
Zwei Stühle, ein langer Tisch mit Laufband, viele Lego-Steine und zwei Schauspieler - schon beginnt ein Spiel voller Verwandlungen, Wortwitz und lustiger Einfälle. Renate Regel und Kai Meyer erzählen von Katerina, die Karsten Kannzuviel, Raffzahn, Onkel und Zauberer in Personalunion, in eine Katze verwandelt hat, um sich Gut und Geld ihrer verstorbenen Mama unter den Nagel zu reißen. Ähnlich Grimmscher Vorlage erkämpft sich Katerina ihr Schloss zurück und frisst den Zauberer mit dem Mäusetrick - nur mit der Liebe (zum Müllerssohn) ist es heutzutage eine vertrackte Sache. Wäre Katerina ein Mensch, hätte sie sich nie in den Burschen verliebt...
Schluss mit Romantik und heile Welt. Hier wird der Klassiker kräftig gegen den Strich gebürstet - in Erzählweise und Spielform. Mal schieben Regel und Meyer Katze, Müllerssohn und Wald als Lego-Objekte über den Tisch, mal schlüpfen sie selbst in die Rollen. Katerina (Regel) ist mehr frech als anschmiegsam und erzählt vom schnöden Katzendasein ("Das Whiskas klaun wir im Supermarkt"). Der Müllerssohn, plötzlich begütert, kommandiert. Und der erste Flirt in Katerinas Menschengestalt scheitert kläglich. Phantasievoll, pfiffig und sehr heutig - ein Heidenspaß und wie gemacht zum Nachspielen - mit Lego natürlich.
[Christiane Kneisel]
Allgemeiner Anzeiger, 02.12.2008:
Der Kater ist eine Prinzessin. Paula Fünfeck-Uraufführung im kinderHAUS. Frei nach Grimm aus bunten Steinen
Kindergartenkinder wuseln durcheinander, dreißig oder vierzig werden es wohl sein. Hat es euch gefallen?, frage ich sie. O ja, mir hat gefallen, wie sie gestritten haben. Und mir das Kleid. Das Prinzessinnenkleid? Ja. Das hat soo schön geglänzt. Und das Schloss, die haben sogar so ein tolles Schloss gebaut! Ein ganzes Legosteinschloss mit Licht. Hat euch denn auch das Lied gefallen? Ja, das war schön. Aber warum willst du das denn alles wissen? Weil ich in die Zeitung schreiben soll, wie die gestiefelte Katharina so ist, ob man sie anschauen soll. Weil ich aber kein Kind bin, muss ich euch fragen. Kommen wir jetzt etwa in die Zeitung? Naja, ein bisschen, das, was ihr mir gesagt habt. Juhu! Wir kommen in die Zeitung!
Nach „Saffran und Krump“ erzählt und spielt man im Jenaer Theaterhaus wieder ein Stück für Menschen AB fünf Jahre. Das AB großgeschrieben, weil es kein Kindergartenstück ist. Jedenfalls nicht nur.
Auf laubfroschgrünem Bodenbelag steht ein schwerer dunkler Tisch mit zwei Förderbändern, die mittels Kurbeln in Bewegung gesetzt werden können. Rechts und links davon jeweils ein Drehstuhl, einer für den Erzähler und Schauspieler Kai Meyer und einer für die Erzählerin und Schauspielerin Renate Regel. Oder, um die Perspektive zu wechseln: einer für den alten Müller, den Müllerburschen, den König und den Zauberer; ein zweiter für Katharina, die Prinzessin, und für Katharina, die Katze. Aber das ist nicht alles: Aus den Fächern und Laden zweier Schränke, die im Design perfekt auf den Tisch abgestimmt sind, holen die beiden Märchengestalter nach und nach das Material: Legokatze, Legomühle, Legomüller. Legowald, Legoblumenwiese, Legoschloss, Legosee. Legokutsche, Legokrone und was man sonst noch so alles braucht, um eine Geschichte nahe am Original der Grimm-Brüder für kleine (und größere) Zuschauer in Szene zu setzen.
Die klassisch bis pfiffig gebauten Requisiten und Figuren werden per Laufband über den Tisch geleiert. Die Liebesgeschichte der Katharina Katze beginnt, als der alte Legomüller kaputtgeht und dem Legomüllersohn das gekatznappte Tier vererbt. Und ähnlich wie die Vorlage endet auch das traurige Katzenjammerlied mit einem mausetoten Zauberer und einem legosteinreichen Grafen. Dass seine Braut die in die Prinzessin zurückverwandelte Katze ist, macht dabei keinen großen Unterschied. Nur den kleinen feinen einer adretten Liebesbeziehung, in der beide Seiten zweifeln und fürchten und wollen und maunzen. Ein gutes Gewürz für eine gute Stimmung und für die wunderbare Offenherzigkeit der Gefühle. Aber ich denke schon wieder zu erwachsen. Obwohl ja niemand genau weiß, wie viel und was welche Kinder in welchem Alter verstehen. Man könnte ins Grübeln geraten, weil manchmal ziemlich viel Text ziemlich schnell daherkommt. Aber die Regie hat verstanden, wie Kinder ticken und dass sie sich wiedererkennen wollen. Die Erzähler führen durch die Szenen, reden über etwas, werden zu Figuren, verkörpern diese professionell und öffnen doch immer wieder Türen in den Zuschauerraum, um die Kinder zu greifen. Die Fragen sind eindeutig, die Kommandos klar. Da können alle mal ihre Wünsche äußern, den popelnden Müllerjungen verpetzen oder die Heirat einfordern. Auch Übertreibung und Slapstick kommen bei den Kleinen gut an. So lachen sie über den geräuschstarken Esel oder darüber, dass jemand angeben kann wie eine Tüte Mücken. Sie freuen sich, dass die Kratzbürste den Stinkstiefel beschimpft und darüber, wie der König Legosteine abnagt, als wären es knusprige Rebhuhnkeulen. Nur manchmal wird es etwas laut und die Kleinsten ängstigen sich im Zauberschloss. Aber dafür sind ja dann die Großen da, und die werden ihren Spaß haben am verfluchten Mäusefangzwang, am räuberischen Subjekt ohne Moral und Anstand und an den pinkfarbenen Unterhosen aus der Reisewäsche des Königs. So wird wohl jeder mit Sinn fürs Spiel unter dem Stiefel der Katharina auf seine Kosten kommen.
[Claudia Kanz]
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