Geschichte

Das Theaterhaus Jena – ein besonderes Haus mit einer besonderen Geschichte, die in aller Ausführlichkeit erzählt werden will:

1408-1871 Theaterspielen in Jena

Rückblende: Bereits im Mittelalter wurde in Jena Theater gespielt. Neben fahrenden Künstlern waren es vor allem Klöster und Kirchen, die Mysterienspiele, Passions- und Weihnachtsspiele boten, beispielsweise das Karmeliterkloster, das bis 1655 am heutigen Engelplatz stand.

Zwischenblende: Unter der weimar-sächsischen Herrschaft wurde Theaterspielen in Jena genehmigungsbedürftig. Die regen Jenaer Theatermacher überforderten die Weimarer Behörde offensichtlich mit ihren vielen Anträgen, so dass diese 1800 das Theaterspielen in Jena gleich ganz verbot. In der Folge unterliefen die Jenaer dieses Verbot ständig. Man spielte überall in der Stadt: im Rathaus, den Rosensälen, in allen möglichen und unmöglichen Wirtshaussälen, im Ballhaus und auch im großen Tanzsaal des Gasthauses „Zum Goldenen Engel“.

In theatralischer Hinsicht war Jena zu dieser Zeit eine widersprüchliche Stadt: einerseits schrieb Friedrich Schiller in seinem Gartenhäuschen im heutigen Schillergässchen einige seiner weltberühmten Dramen (z.B. Maria Stuart, Wallenstein oder Die Jungfrau von Orleans). Doch kamen seine Dramen nicht in Jena zu ihren Uraufführungen, sondern zum Beispiel in Weimar, wo – wie in den anderen Residenzstädten (Rudolstadt, Gera, Naumburg u.ä.) – die lokalen Fürsten und Herzöge um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert prunkvolle Theater gebaut hatten. Jena dagegen bekam sein Theater im Zuge einer privaten Initiative: der Wirt, Bierbrauer und erklärte Theaterliebhaber Commerzienrat Carl Köhler baute es 1872 auf den Hinterhof seines Gasthauses „Zum Goldenen Engel“. Es bot immerhin 800 Zuschauern Platz:

1872-1900 Das Köhlersche Theater

„Köhler’sches Etablissement“ – so nannte man das Privat-Theater fortan. Es wurde, zumindest am Anfang, zu einer künstlerischen Erfolgsgeschichte. Köhler engagierte fahrende Ensembles, die ihr Programm jeweils von Oktober bis Neujahr darboten. Den Rest des Jahres vermietete er das Theater an private Initiativen und Vereine. Damit war das Theater nicht nur künstlerisch auf der Höhe seiner Zeit: unabhängig vom Auftrag eines Adelshofes konnte es politisch und aktuell sein. Wirtschaftlich allerdings konnte sich das Theater kaum selbst tragen, da das theateraffine Publikum in Jena mit der neu gebauten Eisenbahn vor allem nach Weimar ans Hoftheater fuhr. Obwohl Köhler 1886 mit einem kosmetischen Umbau versucht hatte, die Attraktivität seines Gartentheaters zu erhöhen, musste er die Verluste des Hauses immer wieder mit Überschüssen aus seiner Brauerei und dem Engel-Gasthof ausgleichen. Schließlich sah er sich dann doch gezwungen, seine Immobilie an die Kommune zu verkaufen.

1900-1921 Stadt-Theater Jena

Im Mai 1900 wurde Köhlers Gesamtkomplex inklusive „Goldenem Engel“ und Theater vom Gemeinderat Jena erworben. Man versäumte es zwar, das Haus umfassend zu renovieren, hoffte aber trotzdem, aus der Verpachtung an diverse Theaterunternehmer Gewinn zu erzielen. Zwischen 1900 und 1921 probierten sich insgesamt 11 Intendanten aus, die ihre zunächst ambitionierten künstlerischen Programme immer wieder dem breiten Publikumsgeschmack anpassen mussten, um nicht wirtschaftlich zu scheitern. Das Theatergebäude verkam während dieser Zeit zusehends, so dass sich um das Jahr 1911 immer mehr Bildungsbürger für einen Um- oder gar Neubau des Theaters stark machten. Trotz verschiedener Initiativen und eines massiven Spendenaufkommens gelang es allerdings nicht, dieses Projekt vor dem 1. Weltkrieg in gesicherte Bahnen zu lenken. Nach dem Weltkrieg gründete sich zunächst eine gemeinnützige Theatergesellschaft, die turnusgemäß neue Theater-Direktoren bestellte. Eine bauliche Lösung war angesichts klammer Kassen vorerst undenkbar. Man dachte vielmehr offensiv über Fusionierungen mit anderen Thüringer Theatern nach und nahm mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar Kontakt auf. Bis zuletzt wehrte sich der Jenaer Theater-Direktor Alfred Horsten gegen eine Übernahme durch das Nationaltheater Weimar. Er sollte keinen Erfolg haben: 1921 war das Jenaer Theater endgültig pleite und zudem technisch und baulich so gut wie unbespielbar.


1921-1945 Das Gropius-Theater

Im April 1921 übernahm das Nationaltheater Weimar das Köhler’sche Theater als Neben- bzw. Außenspielstätte. Bedingung für die Übernahme war allerdings die grundlegende Erneuerung des maroden Theatergebäudes. Die Weimarer favorisierten den gerade frisch gekürten Bauhaus-Direktor Walter Gropius; die Jenaer mussten sich samt ihrem Stadtbaudirektor Oskar Bandtlow dieser Entscheidung beugen. Nach einem halbjährigen Streit um Zuständigkeiten und Kompetenzen begannen schließlich die Umbaumaßnahmen. Aus Kostengründen blieb das alte Bühnenhaus von den umfassenden baulichen Veränderungen unberührt. Gropius kümmerte sich vor allem um die der Öffentlichkeit zugängigen Bereiche des Theaters und dessen Erschließung zur Stadt hin: die Neugestaltung konzentrierte sich auf die Wegung durch den „Goldenen Engel“ zum Theater hin, auf die innenarchitektonische Zuschauersituation (Zuschauersaal, Kasse, Foyer, Garderobe, wobei er ein besonderes Augenmerk auf die Farbgebung richtete) und vor allem auf eine neue Fassade. Zur Wiedereröffnung des Theaters am 24. September 1922 schrieb die Jenaische Zeitung:

Jena hat ein Theater. Das bedeutet einen Wendepunkt im geistigen Leben dieser Stadt!

Der Spielplan der Folge-Jahre ließ dagegen zu wünschen übrig: das Weimarer Nationaltheater sah sich wegen mangelnder Finanzierung immer weniger in der Lage, das Theater in Jena hochwertig zu bespielen. Zwischenzeitlich wurde Jena sogar von den Theaterensembles aus Gotha, Meiningen oder Altenburg bespielt. Darüber hinaus stritten sich die Regierung des gerade entstandenen Landes Thüringen und die Kommunen über die finanzielle Verantwortung für die Thüringer Theater. 1929 wurde der Weimarer Theaterchef Franz Ulbrich schließlich zum Generalintendanten aller Thüringer Theater ernannt. Er sah sich mit der undankbaren Aufgabe konfrontiert, massive Theater- und/oder Spartenschließungen durchzusetzen.

Während des National-Sozialismus wurde auch das kulturelle Leben in Jena gleichgeschaltet: die verschiedenen Besucherorganisationen wurden zerschlagen und zur so genannten „Kulturgemeinde“ zusammengeführt; im Jenaer Theater wurden „rassenreine“ Stücke und Propagandaveranstaltungen gegeben. Im Winter 1944 wurde das Theater wie alle anderen in Deutschland geschlossen, überstand aber den Bomben-Krieg letztendlich ohne große Schäden.

1946-1948 Das Biermann-Theater

Schon kurz nach dem Krieg pachtete der Hamburger Theaterimpressario John Biermann das Jenaer Theater. Als Privat-Unternehmer hatte er sich viel vorgenommen: zunächst führte er den Drei-Sparten-Betrieb ein (Oper, Tanz- und Sprechtheater) und bespielte mit wachsendem Erfolg an sieben Abenden pro Woche die zwei Spielstätten Theater und Volkshaus. Außerdem hatte er sich zum Umbau des Gropius-Theaters auf eigene Kosten verpflichtet. Der äußerst ambitionierte Umbau begann 1948 und sollte sowohl das Zuschauer- als auch das Bühnenhaus umfassen. Zuerst hob er die Decke des Zuschauerraums an und baute Seitenränge ein, um eine größere Platzzahl zu gewinnen. Danach gestaltete er alle Zuschauerbereiche um, so dass von der Gropius- Innenarchitektur nichts mehr zu sehen war. Außerdem flachte er die inzwischen mit einem Giebel versehene Fassade ab, um später einen pseudoklassizistischen Vorbau als Kassenhalle anbauen zu können. Auf diese Weise verschwanden die letzten sichtbaren Spuren, die an das Bauhaus-Theater von Walter Gropius hätten erinnern können. Der geplante und bitter notwendige Umbau des Bühnenhauses sowie der Anbau der Kassenhalle konnten nicht mehr in Angriff genommen werden, da Biermann 1949 pleite war. Während des Umbaus wurde der Theaterbetrieb provisorisch aufrechterhalten: die Verwaltung arbeitete auf der stillgelegten Kegelbahn des alten „Goldenen Engels“, die Schauspieler probten in schmuddeligen und unbeheizten Kneipensälen, gespielt wurde in der Uni-Mensa (Sprechtheater) und im Volkshaus (Musiktheater). Als das Theater 1948 wiedereröffnet wurde, konnte es nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen, und die erhöhte Platzkapazität blieb in der Regel ungenutzt. John Biermann wurde entlassen. Auch persönlich völlig ruiniert, hinterließ er der Stadt Jena einen riesigen Schuldenberg.

Die nächsten Jahre wurden von zurückgehenden Zuschauerzahlen und intensiven Streitigkeiten über die Situation des Theaters geprägt: die Künstler sahen sich mit Provisorien konfrontiert, die einen regulären Spielbetrieb beinahe unmöglich machten. Das Bühnenhaus war nach wie vor in einem ruinösen Zustand; immer wieder drohte die Baupolizei mit der Schließung des Hauses; 1950 übernahm schließlich erneut das Nationaltheater Weimar das Jenaer Theater. Das Nachkriegsensemble wurde entlassen und der dringend notwendige Umbau des Bühnenhauses auf den Weg gebracht. In der Folgezeit produzierte das Jenaer Theater keine eigenständigen Inszenierungen mehr. Eine technisch rundumerneuerte Bühne sollte es ermöglichen, die Produktionen aus Weimar direkt zu übernehmen. So wurden erstmals ein Eiserner Vorhang und eine Drehbühne in das Theater eingebaut. Erst 1956 war der technische Umbau abgeschlossen und das Jenaer Theater wurde wiedereröffnet. Um die meisten anderen baulichen Bereiche hatte man sich aber wieder nur provisorisch gekümmert.

1956-1989 Das Jenaer Theater in der DDR

Nach 1964 traten neben die Bespielung des Nationaltheaters Weimar erneut gastierende Produktionen aus Gera, Altenburg, Eisenach, Rudolstadt oder Erfurt. Das Stadttheater Jena war jetzt formal zwar wieder ein eigenständiges Theater, hatte aber nach wie vor kein eigenes Ensemble. Die wenigen Alleinstellungsmerkmale des Theaters beschränkten sich auf jährlich gastierende Jazz-Konzerte (im Rahmen der Festivals „Jazz im Paradies“ und „Jenaer Jazztage“). Auch die Planungen des großaufgelegten DDR-Städtebauprogramms von 1968 (das sich noch heute vor allem durch den JenTower und die Plattenbau-Siedlung Neu-Lobeda abbildet) sah für das Theater keine ernstzunehmenden neuen Impulse vor.

Stattdessen wurde das Stadttheater mit immer neuem Flickwerk vor der Schließung bewahrt. 1977 erkannte ein Bau-Statiker, dass die langsam, aber sicher auseinanderreißenden und einfeuchtenden Wände der enormen Last der weiten Dachkonstruktion aus der Zeit Biermanns auf Dauer nicht standhalten konnten. Dank einer Ausnahmegenehmigung konnte das Theater immerhin bis Ende 1986 bespielt werden.

Schon 1985 hatte eine Gruppe von Architekten und Ingenieuren in Zusammenarbeit mit der Theaterdirektion einen „Rekonstruktionsplan“ für das Theater vorgeschlagen: das Theater sollte um 16 Meter nach vorn erweitert werden, um einen gänzlich neuen, etwas kleineren Zuschauerraum zu bilden, der sich in einem weiten Foyer und durch eine Glas-/Stahl-Fassade zur Stadt hin öffnen würde. Im Keller sollte das Theater eine moderne Studio-Bühne und eine Weinstube unter Einbeziehung der unterirdischen Gewölbe des alten Karmeliterklosters enthalten; und es sollte in „Schillertheater“ umbenannt werden. Auch der Traum von einem kleinen eigenen Schauspiel-Ensemble war wieder gesellschaftsfähig. Planziel für die Eröffnung des Schiller-Theaters war der 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1989. Die politischen Gremien waren begeistert – das Theater wurde Sylvester 1986/1987 zum letzten Mal bespielt, am 2. Januar begann der Abriss des alten Zuschauerhauses. Doch bereits im Februar 1987 gerieten die Baumaßnahmen ins Stocken. Der offiziell bewilligte Bauplan konnte in den folgenden Jahren nie finanziert werden, es konnte nicht einmal ein Architekt mit der qualifizierten Ausarbeitung, geschweige denn ein Bauunternehmen mit der konkreten Umsetzung, betraut werden.

1987 bis heute: Aufbau des Theaterhauses Jena

Von 1987 bis zur Wiedervereinigung 1990 blieb das Theater baupolizeilich gesperrt und verkam zusehends. Die Räume wurden von der Stadtverwaltung als Lager genutzt; der Vorplatz war von Brettern eingezäunt. Theater gespielt wurde im nahe gelegenen Capitol-Kino. Erst im Frühjahr 1990 eröffnete eine Geraer Inszenierung das „theater auf der hinterbühne“. Begleitet von intensiven Diskussionen über die Zukunft des Jenaer Theaters, nutzten die Theatermitarbeiter die Ruine in der Zwischenzeit und zeigten vor hundert alten Kinositzen Kleinkunst, Kabarett und kleinere Kammerspiele.

Im Juli 1993 gründete sich schließlich die heutige Theaterhaus Jena gGmbH. Was war geschehen? – Der damalige Kulturdezernent Klaus Hattenbach hatte die legendäre Jenaer „Theaterlüge“ erfunden: angesichts leerer Kassen war das unter Politikern und Bevölkerung immer noch beliebte „Schillertheater“-Konzept von 1985 kaum zu realisieren. Wie sollte sich ohne Geld ein Ensemble in Jena konstituieren? Als Klaus Hattenbach den damaligen Rektor der Ernst-Busch-Schauspielschule kennenlernte, hatte er die zündende Idee: Er schuf ein Ensemble mit ABM-Stellen. Unter dem Spielzeitmotto „WüsteGegenZeit“ eröffnete am 29.11.1991 die neue künstlerische Leitung um Horst-J. Lonius und Sven Schlötcke mit einem 10-köpfigen Schauspielensemble das Theaterhaus Jena. Jenas Theater hatte zwar kein Zuschauerhaus mehr, dafür aber nach über 40 Jahren endlich wieder ein eigenes Ensemble! Gespielt wurde weiterhin auf der notdürftig hergerichteten großen Bühne, aber auch in anderen Räumlichkeiten des alten Bühnenhauses. Unter dem neuen Logo des zornigen Theaterengels (beigesteuert durch den Berliner Grafiker Henning Wagenbreth) arbeitete das Ensemble mit einer vergleichsweise schlanken Verwaltung, flachen Hierarchien und einem minimalen Budget. Es verstand sich als Forschungslabor für zeitgenössische Theaterstrukturen und eine neue Theatersprache.

Wir machen eine Art besonderes Theater für dieses Gebäude und diese Stadt, für ein breites Publikum, das ein Künstlererlebnis außerhalb der gehetzten Medienwelt sucht. Ich würde sogar von einem unverwechselbaren Jenaer Theaterstil sprechen. – Sven Schlötcke

Doch die Zukunft dieses Modells war alles andere als geklärt. Verschiedenen utopischen Entwürfen (u.a. durch Friedensreich Hundertwasser) und Gerüchten (u.a. einer erneuten Übernahme der Jenaer Spielstätte durch das Nationaltheater Weimar) folgte 1992 eine politische Abstimmung zwischen zwei Entwicklungskonzepten für das Jenaer Theater: dem Kulturamtsleiter Norbert Reif schwebte eine Nutzung als Plattform und überregionale freie Bühne für Kooperationsprojekte im Rahmen einer jenaweiten „Kulturmanagement GmbH“ vor (analog zum heutigen Eigenbetrieb JenaKultur); das Team um Sven Schlötcke dagegen schlug eine weitere Zwischennutzung der bestehenden Ruine in eigener Trägerschaft vor und orientierte sich an dem Modell der frühen Schaubühne oder des Theaters an der Ruhr in Mülheim. Unter massiver Unterstützung durch die Jenaer Bevölkerung und überregionale Fachleute (u.a. Heiner Müller oder Frank Castorf) setzte sich schließlich der zweite Vorschlag durch. Im Juli 1993 wurde die Theaterhaus Jena gGmbH gegründet, die sich zu gleichen Teilen aus Zuschüssen des Landes und der Stadt finanziert. Das Besondere an dieser Rechtsform: alle 13 Gesellschafter waren Mitarbeiter des Hauses. Seitdem bestimmen die Gesellschafter zwei turnusgemäß wechselnde Geschäftsführer.

Mit der Spielzeit 1999/2000 stand der nächste Umbruch ins Haus. Sven Schlötcke und Horst J. Lonius hatten eine künstlerisch äußerst erfolgreiche Epoche geprägt. Doch trotz ihrer sich immer neu anpassenden basisdemokratischen Organisations- und Entscheidungsstrukturen wurde es Zeit für einen Wechsel der künstlerischen Mannschaft: im Januar 2000 stellte sich eine neue künstlerische Leitung des Theaterhauses der Öffentlichkeit. Das Team um Claudia Bauer setzte vor allem auf die Sichtung und Förderung junger Künstler. In der Folge wurde das Theaterhaus zu einer deutschlandweit bekannten Talenteschmiede für Nachwuchsautoren und –regisseure , sowie Nachwuchsschauspieler. Darüber hinaus entwickelten sich in der Ära Claudia Bauer-Rainald Grebe-Sabine Westermaier-Roman Rösener (letzterer als kaufmännischer Geschäftsführer) intensive Kooperationsaktivitäten (das Theaterhaus arbeitet seitdem insbesondere regelmäßig mit Festivals und Spielstätten der freien Szene zusammen) und eine Reihe von Jugendformaten (u.a. wurde 2000 der bis heute bestehende Jugendclub gegründet). Unter vielen anderen Erlebnissen aus dieser Zeit bleibt den Jenaern vielleicht vor allem die temporäre Bespielung des Volksbades 2003 in Erinnerung.

Im Sommer 2004 fand dann der nächste Komplettwechsel statt: ab sofort leitete Markus Heinzelmann die künstlerischen Geschicke des Theaterhauses. Neben dem weiteren Ausbau der Netzwerkarbeit und der vermehrten Nutzung externer Spielorte prägte er das Theaterhaus vor allem mit der Förderung des Künstlerischen Nachwuchses zum Beispiel durch die Vergabe von Schreibaufträgen an junge Autoren. In diesem Kontext ist auch die Beteiligung des Theaterhauses an der Vergabe des Jakob-Michael-Reinhold-Lenz-Preises zu sehen. Außerdem wurden unter der Leitung von Markus Heinzelmann die theaterpädagogischen Angebote für Kinder ausgebaut.

Mit der Spielzeit 2011/2012 tritt nun die vierte künstlerische Leitung seit der Neugründung des Theaterhauses ihre Arbeit an:

Im Umgang mit der baulichen Situation verfolgt die Theaterhaus gGmbH seit ihrer Gründung konsequent eine dreigleisige Strategie: für verbesserte Arbeits- und Probenbedingungen soll auf dem Hinterhof ein so genannter Funktionsanbau entstehen; der Bühnenturm wird nach seiner grundsätzlichen Sanierung im Jahr 1999 auch weiterhin als Spielstätte erhalten und technisch nach und nach verbessert; der 2006 und 2007 sanierte Vorplatz wird mit dem seit 1997 jährlich zur Eröffnung der Jenaer Kulturarena stattfindenden Sommerspektakel und anderen temporären Aktivitäten belebt: mit Ideenwettbewerben (z.B. gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar), temporären Festivals und Bespielungen konnte es so gelingen, diese urbane Freifläche trotz zwischenzeitlich andersartiger Planungen für kulturelle Aktivitäten zu bewahren.

Angesichts steigender Zuschüsse durch Stadt und Land und eines mittlerweile relativ gesicherten Pachtvertrags mit dem Jenaer Eigenbetrieb KIJ (Kommunale Immobilien Jena) schaut die Theaterhaus Jena gGmbH zuversichtlich in die Zukunft. Auf dass der goldene, der zerfallende, der mutige und zornige, der lebendige Theaterengel auch weiterhin sein (Un)Wesen treiben möge!

Recherche & Text: Andrea Hesse und Jonas Zipf