Die blauen Augen von Terence Hill

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von Jörg Albrecht/ copy & waste (Uraufführung)

Lange tot gesagt, verspottet und doch wieder da: Bud Spencer und Terence Hill sind nicht klein zu kriegen. In den billigen Western-Kulissen eines Freizeitparks für Arbeitslose drehen sie ihren neuen Streifen. Dabei gilt wie gehabt: Prügeln, saufen, Bohnen fressen! Sie sind die wahren Helden des kleinen Mannes. Kein Finanzhai, kein Abzocker, kein Bonze kann ihnen widerstehen. Endlich wird abgerechnet.

Ein Spaghetti-Western auf dem Theater. Endlich rächen sich die Hartz-IV-Empfänger am Establishment. Die kleinen Ganoven proben den Aufstand gegen die Großen. Ihre Anführer sind ihre Helden: Terence Hill und Bud Spencer kämpfen gegen Abzocke und Betrügerei der Bürokraten und Machthaber. Mit vier Fäusten für ein Halleluja beweisen sie, dass es sich nicht lohnt, zu schweigen und einfach zu schlucken, was die Medien erzählen. Der absurde Wettlauf öffentlicher Rhetorik steht kurz vor dem Kollaps: Vollbeschäftigung oder flächendeckende Teilzeit? Sozialbetrüger oder Opfer des Systems? Wer ist parasitärer: das System der Banken oder derjenige, der die Leistungen des Staates in Anspruch nimmt?

http://www.youtube.com/watch?v=w7m8VzVwcOE&feature=related

Zwanzig Jahre nach dem VHS-Genuss im Kinderzimmer lässt die freie Berliner Gruppe copy & waste die Helden ihrer Kindheit noch einmal antreten. Diesmal legt das gewiefte Duo hinterfotzige Schurken und fiesen Bürokraten das Handwerk. Dem Standard von sozialverträglicher Unterversorgung und Überproduktion setzen sie den Entwurf einer ganz anderen Welt entgegen. Kann man das überhaupt: nicht arbeiten, sich selbst aushalten, ohne Mehrwert? Bud Spencers wirbelnde Fäuste machen es vor.

In einer Zeit, in der nur diejenigen verschwenden dürfen, die schon immer zu viel hatten, werfen Bud Spencer und Terence Hill alles über den Haufen. Ihre H-IV-World ist offen für solidarische Tricksereien und nachhaltige Verschwendung, für arkadisches Nichtstun und ein rastlos flexibles Gemeinschaftsgefühl. Aber sind die Western-Helden noch dagegen, oder ist ihr parasitäres Joint Venture von Superarm und Superreich bloß eine weitere Säule der neoliberal-flexiblen Wirtschaftsordnung?

Mit: Steffen Klewar, Janna Horstmann, Sebastian Thiers und Mathias Znidarec

Regie: Steffen Klewar
Autor: Jörg Albrecht
Dramaturgie: Wilma Renfordt
Musiker: Matthias Grübel
Bühne: Caspar Pichner
Video-Künstler: Ian Purnell

Eine Produktion von copy & waste und dem Theaterhaus Jena. In Koproduktion mit H.A.U. Berlin, uniT und dem steirischen herbst Graz. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds & den Bürgermeister von Berlin/ Senatskanzlei/ Kulturelle Angelegenheiten

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