WIRD SCHON WERDEN-Kritik in der Fachzeitschrift THEATER DER ZEIT 01/2018

„… Schönecker hat sich in seiner Inszenierung wohl einen Satz Heiner Müllers zum Vorbild genommen, den er einmal gegenüber Alexander Kluge äußerte: „Die Glätte ist der erste Eindruck, dass jemand Brbarei weglügt.“ Im sanften Licht, dem minimalistischen Bühnenraum, einlullender Musik und dem Schauspiel permanenter Fröhlichkeit bricht sich der dystopische Charalter des besseren Lebens nur langsam und uneindeutig Bahn. Dass die Schauspieler teilweise mit mehreren, sich widersprechenden Rollen betraut werden, verdeutlicht das janusköpfige Wesen der totalitären Harmonie, die sich in dem Stück als Selbstzweck über ihre Mitglieder hinwegsetzt.
Inszenierung und Schauspieler glänzen bei der Aufgabe, nicht in die Geste alberner Nervosität oder einfachen Trotzes auszubrechen, sondern den latenten Widerspruch der Figuren zur vermeintlich perfekten Ordnung und in den Figuren selbst konsequent auszuspielen. Durch die teilweise verwendete Siebziger-Jahre-Kostümierung, die musikalische Ausgestaltung und die Angestelltengemälde als postmoderne Wendung sozialistisch-realistischer Arbeiterdarstellungen nimmt Schönecker eine zeitliche Verortung vor, die nicht in der Zukunft, sondern im Heute liegt. „Wird schon werden“ spielt ähnlich wie Heiner Müllers Inszenierung von „Hamlet/Hamletmaschine“ von 1990 „auf dem Riss zwischen zwei Staatskrisen“ (Müller): Der Enttäuschung des Sozialismus in der DDR und einem ungewissen Morgen, das nur so antizipiert werden kann, wie es der Rechtsruck in den Parlamenten, die zunehmende staatliche Überwachung und der süße Geschmack der Vierzigstundenwoche zulassen.“ (Lilli Helmbold)
Den vollständigen Artikel finden Sie unter diesem Link.