Home | Login | 

Charlie Brown wird Folterknecht

Ostthüringer Zeitung, 13. 02. 2004, Angelika Bohn

Jugendtheaterclub Jena spielt Paravidinos Stück "Peanuts"

Was wird mit den Peanuts, wenn Charlie Brown erwachsen geworden ist? Er schwärmt vielleicht nicht mehr für das rothaarige Mädchen, sondern trägt nun eine Polizeiuniform. Soll beim G 8-Treffen in Genua die Mächtigen schützen und im Keller einer Polizeikaserne seine Kumpels von damals verprügeln. Wie entscheidet sich Charlie?

Diese Frage ergründeten die elf Teenager des Jenaer Jugendtheaterclubs am Donnerstag im Theaterhaus Jena bei der Premiere ihrer neuen Inszenierung "Peanuts". Ein Stück, das der Italiener Paravidino nach dem G 8-Gipfel in Genua schrieb. Auch er aufgewühlt von der Frage, dass die Globalisierungsgegner und ihre Verfolger in Uniform zehn Jahre zuvor gemeinsam vorm Fernseher saßen, den "Peanuts" zusahen und Erdnüsse knabberten.

Mit viel Spielfreude und noch mehr Frische stellen sich die elf jungen Leute und ihre Clubleiterin Sarah Jasinszczak (Regie) der schwierigen Materie. Im ersten Teil beaufsichtigt Buddy (Thomas Hof) eine Luxuswohnung. Doch dann kommt die Clique, guckt erst friedlich "Peanuts", wobei Buddy als Charlie zu bewundern ist. Doch dann kippt die Party. Die Clique schlägt die Wohnung klipperklein. Zehn Jahre später, die Clique hat sich teilen lassen, misshandelt die eine Hälfte nun die andere. Dieses "Teile und Herrsche" wird in "Peanuts" mit ganz einfachen Mitteln sehr eindrucksvoll vorgeführt. Auch warum sich die einen so willig missbrauchen lassen, wird im Ansatz deutlich. Und die anderen? Foltern sie nur darum nicht, weil sie nicht als Knechte auserwählt wurden? Darüber hätte ich gern mehr erfahren.

Peanuts können wichtig werden

Thüringische Landeszeitung, 13.02.2004, Annett Zündorf

Peanuts sind Erdnüsse - klein und unscheinbar. Peanuts sind Comicfiguren - niedlich und harmlos. Peanuts sind Sachen, die bedeutungslos sind. Und "Peanuts" heißt das neue Stück des Jugendtheaterclubs am Theaterhaus Jena, das am Donnerstag Premiere hatte.

Das Stück startet behäbig mit dem Prahlhans Buddy, in dieser Rolle glänzt Thomas Hof, der seine Herzensdame mit einer Luxuswohnung beeindrucken will. Schade nur, dass die tolle Wohnung gar nicht seine ist. Buddy ist nur der Aufpasser. Doch, oh Schreck, alle Freunde wollen es sich hier gemütlich machen: die Peanuts auf dem 58-Zoll-Bildschirm sehen, Basketball spielen. Doch bald entwickelt die Party eine Eigendynamik. Weltprobleme spiegeln sich da im Freundeskreis. Ein geplanter Cola-Kauf weitet sich zur riesigen Diskussion, ein Gast sprüht seine Gegenmeinung an die Wand und will nicht saubermachen.

Jedes dieser Fragmente steht unter Schlagwörtern wie Globalisierung, Internationalisierung oder Respekt vor dem Eigentum. Der schwindet irgendwann völlig, die Party entgleist, alles wird zerhauen. Als der Eigentümer der Wohnung auftaucht, muss sich Buddy entscheiden. Zwischen dem Chef, der verlangt, die unliebsamen Gäste zu entfernen, und seinen Freunden.

Jahre später hat der Zufall die Protagonisten in alle Welt verstreut und sie stehen sich auf verschiedenen Seiten der Macht gegenüber. Barfüßige arme Gefangene versus die schwarz behandschuhten bewaffneten Verteidiger der Macht. Die Mächtigen quälen die Machtlosen, bis Einer stirbt. Ein Fiasko. Selbstmord vortäuschen? Doch was tun mit den anderen Gefangenen?

Buddy, der auf der Seite der Macht gelandet ist, muss sich wieder entscheiden. Doch diesmal geht es nicht um Freunde, sondern um Leben. Abrupt endet das Stück mit dieser Entscheidung und lässt den Zuschauer allein zurück. Nachdenken ist gefordert.

Nein, keine schöne Geschichte haben die Jugendlichen erzählt. Statt dessen haben sie mit wunderbarem Spiel und viel Körpereinsatz gezeigt, wie der Zufall des Lebens Freunde an verschiedene Fronten führen kann und wie schwer es manchmal ist, die richtigen Entscheidungen zu fällen, wenn man in der Klemme steckt.

 
Sitemap : Impressum :  © Theaterhaus Jena gGmbH
 
 

Kontakt

Theaterhaus Jena gGmbH
Schillergässchen 1
07745 Jena

Telefon: 03641/8869-0
Telefax: 03641/8869-10
Email »
 

Karten

Telefon: 03641/8869-44
Email »

Preise »

Bestellung über die
Jena Tourist-Information »