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Tomas Schweigen / FAR A DAY CAGE | Uraufführung

Foto: Ger Ger

»You can't be a real country unless you have a beer and an airline – it helps if you have some kind of football team, or some nuclear weapons, but at the very least you need a beer.« [Frank Zappa]

Wir gründen unseren eigenen Staat!

Produkte werden schließlich auch immer mehr auf individuelle Kundenwünsche zugeschnitten – warum also weiter in einer Gesellschaft leben, deren Regeln einfach nicht zu einem passen? Auf die Krisen in Gesellschaft und Ökonomie reagiert FAR A DAY CAGE angemessen mit einer eigenen Staatsgründung. Nach einem enthusiastischen Aufbruch, territorialen Überlegungen und ersten gesellschaftspolitischen Visionen muss die Gruppe allerdings bemerken: Mit dieser Idee ist sie nicht allein. Entnervte Steuerzahler, geltungsbewusste Spaßvögel und fantasiebegabte Lokalpolitiker weltweit haben sich von den Zentralregierungen ihrer Länder losgesagt und auf ihrer Farm, in einem Stadtteil oder in der eigenen Wohnung ihre unabhängigen Staaten gegründet. Republiken, Königreiche und Fürstentümer sind so entstanden, oft mit eigenen Briefmarken, Währungen und Nationalhymnen. Die kleine Republik Molossia betreibt Weltraumforschung und hat eine eigene Flotte - aber keinen Zugang zum Meer. Die Hutt River Province hat ihrem großen Nachbar Australien den Krieg erklärt. Und im schönen Ladonia gibt es ein Ministerium für "Schnick Schnack Schnuck", eines für "Dinge unter Felsen" sowie das Ministerium für Apathie.

Aber nicht nur Exzentriker sehnen sich nach einem selbst bestimmten Leben. Staaten waren und sind in Bewegung, wenn nationale Minderheiten Souveränität fordern wie im Baskenland, Staatsgebilde zerfallen wie in Ex-Jugoslawien oder wirtschaftlich starke Teilgebiete mit Sezession drohen wie in Bolivien oder Norditalien. Wessen Autonomiebedürfnisse sind berechtigt und wessen nicht? Wer entscheidet das? Und was ist eigentlich ein Staat?

Bei ihren waghalsigen Bestrebungen um Anerkennung und Souveränität für ihren eigenen Mikro-Staat muss FADC schnell die wichtigste Lektion lernen: Jeder Staat ist als solcher nur anerkannt, wenn er von anderen Staaten, die von anerkannten Staaten anerkannt sind, anerkannt wird.

Tomas Schweigen entwickelte mit dem Jenaer Ensemble bereits die Stücke »SECOND LIFE »So real, wie du dich fühlst« (1. Mose 1.2) « und »MEMENTO – Manifest für ein ewiges Leben«. Nun arbeitet er hier gemeinsam mit Schauspielern des Theaterhauses und mit seiner freien Theaterkompagnie »FAR A DAY CAGE«, die er 2004 mit der Schauspielerin Vera von Gunten gründete. Zahlreiche Arbeiten mit FAR A DAY CAGE eröffneten internationale Festivals in der Schweiz, Deutschland und Frankreich, so auch das Theaterfestival »Völker hört die Signale #2« in Jena (»Gang Bang«, 2006).

Mit: Philippe Graff, Vera von Gunten, Julian Hackenberg, Silvester von Hösslin, Jesse Inman, Grazia Pergoletti, Saskia Taeger Regie: Tomas Schweigen Bühne: Stephan Weber Kostüme: Gwendolyn Bahr Dramaturgie: Anja Dirks, Rebekka Kricheldorf Produktionsdramaturgie: Linda Best Lichtdesign/ Technik: Demian Wohler Musikalische Leitung: Martin Gantenbein Produktionsleitung: Sven Heier

Ein Projekt von FAR A DAY CAGE in Koproduktion mit dem Theaterhaus Jena und dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Kaserne Basel, WUK Wien, FFT Düsseldorf, HAU Berlin und TaK Schaan (FL).

Uraufführung: Mittwoch, 28. April 2010

 

 
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