von Joey Goebel | Uraufführung
»Um diese Gegend zu verbessern, müsste Gott schon eine Bombe werfen.« In einer trostlos durchschnittlichen Kleinstadt haben sich fünf Außenseiter zusammengefunden: Luster, ein wortgewandter Hobby-Philosoph und verhinderter Weltverbesserer, der ständig auf Drogen zu sein scheint, aber völlig nüchtern durchs Leben geht; Aurora, eine wunderschöne im Rollstuhl sitzende Satanistin; Ember, ein frühreifes 8jähriges Mädchen, dass die Welt hasst und sie zerstören will; Ray, ein junger irakischer Ex-Soldat auf der Suche nach dem Mann, den er im Golfkrieg verwundet hat und Opal, eine 80jährige in Sex-Pistols-T-Shirt und Cowboystiefeln: »Wieso herumvögeln und die Sau rauslassen, wenn man ein dummes Mädchen ist und noch sechzig Jahre mit sich und seinen Fehlern leben muss?«
Sie alle haben eines gemeinsam: sie weichen ab vom Gewöhnlichen, vom Genormten. Wo immer sie auftauchen, werden sie ausgelacht. Aber sie wissen sich zu helfen: sie gründen eine Band – THE FREAKS. Eine Popgroteske. Ein wütendes kulturkritisches Manifest. Kann Musik die Welt verbessern? Verhilft ein neuer Sound zu neuem Sinn? Der Regisseur Eike Hannemann bringt mit den fünf Schauspielern Joey Goebels gefeiertes Romandebüt als Bandprojekt an dem Ort zur Uraufführung, wo es hingehört – im Kassablanca.
Mit: Bernhard Dechant, Julian Hackenberg, Zoe Hutmacher, Saskia Taeger, Gunnar Titzmann Regie: Eike Hannemann Bühne und Kostüme: Matthias Koch Musik: Benny Lackner Dramaturgie: Christin Bahnert
Uraufführung: 20.03.2008 im Kassablanca
Kritiken
Ostthüringer Zeitung, 22.03.2008:
Bizarr, übertrieben, laut und gut
Premiere für "Freaks" im Jenaer Kassablanca
Die achtjährige Ember ist ein Terrorkind. Sie ist aggressiv, kippt ihren Mitschülern Glasreiniger ins Gesicht und schnüffelt Klebstoff. Für ihre Lehrerin Grund genug, Embers Eltern zum Gespräch zu bitten.
Diese Szene gehört zu den besten Momenten der wunderbar schrägen Inszenierung »Freaks«, die das Jenaer Theaterhaus am Donnerstag erstmals im Klub Kassablanca zeigte.
Mit einer silbernen Kühltruhe, einer männlichen Ember (Julian Hackenberg), einer spießigen Pädagogenpetze (Saskia Taeger), einer desinteressierten Mutter (Zoe Hutmacher) und einem brutalen Vater (Gunnar Titzmann) kreiert Regisseur Eike Hannemann eine große Comic-Nummer: Ember hockt gefangen in der Truhe. Immer wieder versucht sie deren Klappe aufzustoßen, versperrt damit aber der Lehrerin die Sicht auf die Eltern. Also Klappe zu. Klappe auf. Klappe zu. Irgendwann dreht Papa durch. Er springt auf und tritt auf die in der Truhe sitzende Tochter ein.
Von ihren Mitmenschen verachtet, geschmäht oder verprügelt werden alle fünf Hauptfiguren im Stück "Freaks", das auf der gleichnamigen Roman-Vorlage des US-Amerikaners Joey Goebel beruht. Also schließen sich Ember, der eingewanderte Iraki Ray (Gunnar Titzmann), die liebreizende Satanistin Aurora (Saskia Taeger), die Crazy-Oma Opal (Zoe Hutmacher) und der Möchtegernphilosoph Luster (Bernhard Dechant) zusammen und gründen eine Band. Während die Fünf auf der Suche nach Probenraum und Gig-Gelegenheit sind, erinnern sie sich in Rückblenden, wie sie einander kennenlernten. Ember und Ray trafen sich beim Kung-Fu-Kurs, bei dem das Mädchen den irakischen Ex-Soldaten gehörig verprügelte.
Hannemann reiht eine bizarre Szene an die andere. Dabei setzt er auf Übertreibung, Slapstick und lauten Rock - von seinen Schauspielern bravourös umgesetzt. Allen voran Gunnar Titzmann als Dödel-Ray.
[Ulrike Merkel]
Allgemeiner Anzeiger, 26.03.2008:
Fiasko mit Pep und Pop
Theaterhaus Jena lässt FREAKS im Kassablanca rocken
Der Sänger der Band »The Freaks« ist sich sicher. »Die Deppen glotzen uns an«, erklärt Luster (Bernhard Dechant). Der Mann weiß, wovon er spricht. Denn er sieht sich als einen »revolutionären Geist in einer von Inzest geplagten Stadt«. Luster und seine seltsamen Freunde wollen nur eins: die Power-Pop-Heavy-Metall-Punkband gründen. Am Ende der Inszenierung »Freaks« treten sie trotz aller Probleme im bekanntesten Klub ihrer Kleinstadt auf.
Die deutsche Uraufführung der kuriosen Gesellschaftssatire geht auf den Roman »The Anomalies« des in Kentucky geborenen Schriftsteller Joey Goebel zurück. Daraus zaubert Regisseur Eike Hannemann gemeinsam mit dem Musiker Benny Lackner und dem Ausstatter Matthias Koch eine unterhaltsame Inszenierung mit viel Pep und Pop. Die Schauspieler und die Zuschauer haben daran gemeinsam Spaß. Denn in dem Stück kämpfen fünf Außenseiter um Anerkennung in einer genormten Gesellschaft und glänzen mit irren Aussagen wie: »Eine miese Frisur ist noch lange kein Grund aggressiv zu sein!« Neben dem Möchtegern-Rockstar Luster gibt es noch die Sexy-Satanistin Aurora (Saskia Taeger), die sich in den Rollstuhl setzt, um lüsterne Verehrer abzuschrecken. Sie spielt Schlagzeug und sagt: »Für mich ist Musik die Ablenkung mit Zukunft!« Dazu kommt die frühreife Gitarristin Ember (Julian Hackenberg), die das Schulmaskottchen rasiert und ihre Mitschüler terrorisiert. Deshalb will sie die humorlose und pedantische Lehrerin (Saskia Taeger) in ein Erziehungsheim stecken.
Das verrückte Quintett vervollständigen die geile Punk-Oma Opal (Zoe Hutmacher) am Keyboard und der Iraker Ray (Gunnar Titzmann). Der Bassist sucht den amerikanischen Soldaten, den er im Golfkrieg verletzte, um sich bei ihm zu entschuldigen. Bei der zweistündigen Suche nach einem Proberaum erzählen sie ihre seltsamen Lebensgeschichten und wie sie einander kennen lernten.
Der große Auftritt beginnt für »The Freaks« als Erfolg und endet als Fiasko. Luster muss wegen Drogenbesitzes in den Knast, Ember kommt ins Erziehungsheim, Ray wird angeschossen und in den Irak ausgewiesen, Aurora wird Nonne und Opal heiratet ihren jungen Pfleger. Doch es bleibt die Erinnerung an eine Band und ihr Motto »Heute Abend werden wir euch in die Vergessenheit rocken!«
[Frank Brauer]
Kontakt
Theaterhaus Jena gGmbHSchillergässchen 1
07745 Jena
Telefon: 03641/8869-0
Telefax: 03641/8869-10
Email »
Karten
Telefon: 03641/8869-44Email »
Preise »
Bestellung über die
Jena Tourist-Information »









